Lese-Tipp: Stern's Abgesang auf das Kaufhaus

Wer ab und an den Stern liest, kennt Walter WĂŒllenweber, Absolvent der Henri Nannen Journalistenschule und ein Journalist, der nur sehr schwer mit seiner eigenen Meinung hinter dem Berg halten kann. Genau deswegen mag ich seine Texte. WĂŒllenweber hat sich also nun zu deutschen KaufhĂ€usern ausgelassen. Der Titel: "Das deutsche Warenhaus - ein Nachruf".
Der Text beginnt so: Neulich war ich noch mal da, bei Karstadt. Komisches GefĂŒhl. Ich musste an meine Mutter denken, wie sich mich frĂŒher immer an die Hand nahm und durch das Labyrinth der KleiderstĂ€nder fĂŒhrte. Ein Einkauf bei Kartstadt ist eine Zeitreise in die Vergangenheit. Das fĂŒhlt sich ungefĂ€hr so an, wie ein Besuch auf dem Bolzplatz der Kindheit, oder eine Fahrt in einem VW-KĂ€fer. Naja, sagen wir Golf I.
WĂŒllenweber zieht dann einen Vergleich mit dem französische Ur-Kaufhaus. Ein Thema, das wir hier auch schon behandelt hatten und kommt dann zu dem Schluss.
Das typische deutsche Kaufhaus ist kein Ort der VerfĂŒhrung, sondern des Pragmatismus. Der einzige Mut, zu dem WarenhĂ€user in Deutschland je fĂ€hig waren, ist ihr Mut zur HĂ€sslichkeit. Die meisten von ihnen wurden in den sechziger oder siebziger Jahren in die letzten BombenlĂŒcken der InnenstĂ€dte betoniert. Es war die Epoche der scheußlichsten und handwerklich minderwertigsten Bauwerke, die Architekten in Europa je verbrochen haben.
Stimmt. Ich kenne eigentlich kein einziges, das hĂŒbsch ist. Mal abgesehen von Beck in MĂŒnchen, Alsterhaus in Hamburg und Kadewe in Berlin. Im Verschwinden der HĂ€user sieht WĂŒllenweber die Chance zu neuem urbanen Leben in der City. Ich befĂŒrchte aber, dass nur die x-te H&M und Zara-Filiale eröffnet wird und trauere tatsĂ€chlich den Strumpf- und WĂ€scheabteilungen deutscher KaufhĂ€user hinterher, wo ich auf einen Fleck alle möglichen Marken zur Auswahl hatte. Dann solche Abteilung fĂŒr Haushaltswaren. Die sind doch prima. Warum machen die keine Spezial-Mini-HĂ€user fĂŒr solche Abteilungen auf. Also, ich wĂ€re Kunde.
Foto: Screenshot Stern
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Kommentare

  • Hendrik Schulte sagt:

    Dieser Herr Walter WĂŒllenweber ist immernoch der gleiche Verbrecher wie damals. Habe ihn damals (1992) Bei Alfred Bioleck gesehn. Unglaublich der Mann sollte sich schĂ€men.