Lese-Tipp: Stern zum Kadewe-Verkauf

Wir haben in Deutschland nur sehr wenige gute KaufhĂ€user, aber das Kadewe, das Alsterhaus und auch der Oberpollinger gehören dazu. Doch gerade diese SahnestĂŒcke stehen nun zum Verkauf, meldet der Stern und schreibt darĂŒber eine lesenwerte Analyse. Hier geht es zum Artikel.
Was sind die GrĂŒnde? Das schreibt der Stern:
Der Handelskonzern Arcandor versilbert seine bekanntesten HÀuser. Das liegt nicht an den UmsÀtzen der Luxustempel, sondern zeigt die tiefe Krise, in der die gesamte Branche steckt. 
und weiter:
Die GeschĂ€fte mit dem Luxus sind dabei noch das geringste Problem. Denn auch wenn das KaDeWe ebenso wie die beiden anderen HĂ€user vor allem fĂŒr seine exquisiten Waren bekannt ist, macht das Haus an der Berliner Tauentzienstraße sein Geld zu einem guten Teil mit Waren zu normalen Preisen. "Sie können mit Prada keine 5000 Quadratmeter fĂŒllen", sagt Johannes Siemes, Leiter Handel beim WirtschaftsprĂŒfer KPMG. So vereinte die Edel-KonsumstĂ€tte mittlerweile die Dior-Freundin, die das Gaucho Saddle Bag aus Leder vom Pythonbauch schon lange auf der Shoppingliste hatte, mit der Berlin-Touristin aus Remscheid, die sich eine KaDeWe-UmhĂ€ngetasche mitbringt. "Irgendwann", sagt Siemes, "kommen Sie auch zu den Hans-MĂŒller-Marken."
und das noch:
Die HĂ€user befinden sich seit Jahren in einem Kampf gegen Shopping-Center, spezialisierte Ketten und Online-VersandhĂ€user. Sie bieten alle ihre Waren "unter einem Dach" an. Doch wer eine neue Mikrowelle braucht, fĂ€hrt im Zweifel zum Elektronik-Discounter am Stadtrand. Und die neue Jeans ist im Zweifel bei H&M gĂŒnstiger und moderner - so jedenfalls die Wahrnehmung.
Diese EinschÀtzungen sind alle richtig und dennoch muss ich fragen, warum dann in Frankreich und England so reine Luxustempel funktionieren? Printemps, Lafayette und vor allem Le Bon Marche brummen. Harrod's und Selfridges setzen ebenfalls auf Luxus oder eben Innovation und es klappt.
Sollten diese deutschen HĂ€user nicht einfach wagemutiger eine klareres Up-Grading fahren? Oder sich wie die Konkurrenz in Frankreich und England auf die Suche nach den unauffindbaren Labels machen und auf die ExklusivitĂ€tskarte setzen? Oder einfach auch etwas mehr menscheln? Das Alsterhaus in Hamburg ist z.B. nach dem Umbau so clean und cool, dass mir beim Einkauf fröstelt, sprich, das ist mir zu wenig cosy. Oberpollinger in MĂŒnchen hat ein gutes Angebot, aber mischt zu sehr die Genres. Dann bitte lieber mehr Schickes.
Ach, ich weiß es auch nicht.
Fotos: Screenshots Website Kadewe, Oberpollinger, Alsterhaus
Photo Credit: false

Kommentare

  • Miri sagt:

    Ich bin weder ein Fan des Oberpollingers in MĂŒnchen noch habe ich je etwas im Alsterhaus in Hamburg gefunden. Die scheinen mir wirklich sehr nach "Nummer-sicher-traditionell" einzukaufen anstatt sich mal an ein neues Label zu wagen. Und da ich die HĂ€user immer mit Karstadt in Verbindung bringe, nehme ich sie auch nicht als LuxuskaufhĂ€user war.

    Das KaDeWe ist da eine andere Nummer...da gehört ein Besuch einfach zum Berlin-Trip (aber wenn ich so darĂŒber nachdenke: gefunden habe ich dort auch noch nichts).

    Richtig klasse dagegen ist das Breuninger-Stammhaus in Stuttgart. So funktioniert ein Luxus-Up-Grade! Da könnten die drei sich mal eine Scheibe abschneiden!!!


  • La Liste Des Desiderata sagt:

    Ja, genauso seh ich es auch Miri. Die Colette-AtmosphĂ€re fehlt. Was wir hauptsĂ€chlich in den GeschĂ€ften bieten ist zu traditionell. Wir versuchen immer, auf Nummer sicher zu gehen, anstatt mal einen großen Schritt zu wagen und den Leuten, die abgefahren denken und arbeiten, mal völlige Freiheit zu lassen.

    NatĂŒrlich ist der traditionelle Weg immer der sicherste, aber kann auf Dauer auch ermĂŒdend sein.

    Nochmal das Colette als Bsp: Als die jetzt die Barbie-Sessions prÀsentierten, war der Store in sÀmtlichen wichtigen Magazinen und Zeitungen vertreten. Auch wenn es nicht jedem gefÀllt, jeder möchte es gesehen haben und im Store da entdeckt man dann Dinge, die einen WegtrÀumen lassen vom Alltag. Perfekt.

    Jedoch denke ich, dass auch Paris oder London mit mehr SehenswĂŒrdigkeiten kokettieren können, wĂ€hrend man bei uns eher die StĂ€dtereisen dorthin organisiert, als das man selber mal, Dinge hypt. Aus diesem Grund bin ich gespannt, inwiefern die neue kreative Szene Berlins oder sonstwo Impulse setzen und die Presse den Machern unter die Arme greifen wird.

    Wie man also an meiner Meinung merkt, so spielen da viele Faktoren eine Rolle. Und ich wollte sie schon immer mal loswerden.... boah, hat das gut getan!


  • parisoffice sagt:

    JérÎme, welche Presse denn? Bald gibt es keine Modepresse mehr, wenn das Sterben im BlÀtterwald so weitergeht. Und die setzen doch auch alle auf die sichere Karte und zeigen keine kleinen Labels, weil die wiederum keine Anzeigen schalten. Ich glaube, ich muss mal da eingreifen und unbekannte Franzosen-Labels vorstellen.

    Und Berlin, HH und MUC sind eine Reise wert, doch solange die Touristen-Förderposten an langweilige und ideenlose Spezies verteilt werden, wird das nie was. In Paris hat die deutsche Tourismuszentrale vor x Jahren geschlossen. Hier promoted niemand unser Land. Und ich denke, das ist in England oder so nicht anders.


  • vavoo sagt:

    Deswegen ist die Nachricht, dass diese HÀuser von Arcandor verkauft werden ja nicht unbedingt eine schlechte. Möglicherweise findet sich bald ein KÀufer, der etwas Mut beweist und ausgefallenere Ideen hat als Arcandor um diese HÀuser in der jeweiligen Stadt als (nicht unbedingt nurtouristische) stÀdtische Attraktion zu positionieren.
  • Kiki sagt:

    Ich verstehe auch nicht, warum es KaufhĂ€user wie Selfridges oder Harvey Nichols in London nicht auch in einer deutschen Großstadt gibt. Selbst in kleineren LĂ€ndern wie DĂ€nemark (Magasin du Nord und Illum in Kopenhagen) oder der Schweiz (Globus in ZĂŒrich) gibt es richtig schöne, tolle KaufhĂ€user. Alsterhaus oder Oberpollinger kommen da einfach nicht mit.

    Ich glaube, in Deutschland setzt man wirklich zu sehr auf Tradition statt auf Innovation. Die meisten KaufhÀuser sind super langweilig - nicht nur von den Marken, sondern auch vom Design her. Schon allein die Musik ist bei Selfridges anders - DJs legen auf, drehen die LautstÀrke hoch... und bei Karstadt gibts Dudelmusik...


  • La Liste Des Desiderata sagt:

    @ Parisoffice:

    Zum ersten Absatz: Zum GlĂŒck gibt es da uns Blogger. Und fĂŒr Franzosen-Posts bin ich immer zu haben.... j`adore!

    Zum zweiten Absatz: Du und Deine Insidernews. Bravo! ...hmm, aber liegt es dann auch nicht daran, weil wir zu wenig gezielte Dinge pushen? Oder weil ein paar LĂ€den echt krausig gefĂŒhrt sind? Da haben wir z.B. das KaDeWe. Es ist großartig von der Lage (super zentral). Die Labels sind hochrangig. Aber drinnen angekommen hatte ich immer das GefĂŒhl, ich bin und bleibe halt in einem normal sortierten Kaufhaus. Mir fehlen Design und berauschende Inszenierungen. Geht es Dir nicht so?


  • parisoffice sagt:

    JĂ©rĂŽme, ich war schon mehr als ein Jahr lang nicht mehr in Berlin und mehr als zwei Jahre nicht mehr im Kadewe. Ich kann das echt nicht beurteilen. Ich weiß, dass ich damals die Buchabteilung sehr gerne mochte, aber dass mir die Mode zu normal war. Muss mal wieder hin, vielleicht ist es besser geworden.

    Tatsache ist aber, dass die Franzosen hier stĂ€ndig bei den KaufhĂ€usern aufstocken. Ich poste mal in den nĂ€chsten Tagen die neue Luxusabteilung von Galeries Lafayette. Die ist toll. Selbst ich, die sonst eher Hemmungen in diesen Dior-Chanel-Cavalli-Flagship-Stores hat, wo einen die VerkĂ€uferin stĂ€ndig auf die Finger guckt, liebt diese Abteilung, weil Dior, Lanvin etc. total offen sind. Man wandert von einem Shop in den nĂ€chsten und kann sich endlich mal alles ganz genau anschauen. So was unterstĂŒtzt den Kauf, weil ich dann ĂŒber etwas stolpere und denke: Hoppla, so teuer ist das gar nicht. Kann ich mir mal leisten. Und ich freue mich schon auf den neuen Partnerstore von Maria Luisa mit Printemps. Das wird super!! Lauter geile Labels, die man sonst nicht kriegt. Das ist eine neue moderne Kaufhauspolitik in meinen Augen.


  • La Liste Des Desiderata sagt:

    Bitte, bitte schreib darĂŒber. Ich war schon sooolange nicht mehr in Paris und sehne mich nach solchen Bildern!

    Das mit den VerkĂ€uferinnen geht aber nicht nur Dir so. Ich fĂŒhle mich meist auch total unwohl. Ich frage mich dann immer, ob die Designer so eine AtmosphĂ€re in ihren Shops & Stores haben wollten. Denn ich denke mal, eigentlich sollte die Leute doch daran Spaß haben, sich die Dinge anzuschauen oder gar zu kaufen. Mode sollte gelebt werden!!!

    Ach wÀr ich doch jetzt nur in Paris! *schwelg*


  • susi sagt:

    naja mĂŒnchen und der oberpollinger

    also die fussgÀngerzone ist zwar umsatzstark aber keine luxusmeile

    von daher schon mal ein standort probelm

    ausserdem welchen label -shop in shop hin oder her - gab es denn vorher nicht in der maxi gibt, den es jetzt dort gibt ????


    zweitens der oberpolling wurde renoviert ( ich nehm an fĂŒr sehr viel geld) um dann anschließend nach 2 Monaten fĂŒr 80 millionen nochmal renoviert zu werden also auf schnĂ€ppchen kann man lange warten

    nehmen wir die kosmetikabteilung ( etwas aus dem fĂŒr mich erschwinglichem sortiement) warum in alles in der welt soll ich fĂŒr eine lancome oscilalltion 33 beim oberpolling zahlen wenn sie 5-geh-minuten 25 euro kostet ?

    udn meine kundenkare zwar bei karstadt aber nicht bei karstadt-oberpollinger gilt??? aussage "wir verstehen uns als luxuskaufhaus"


    also sorry da hat jemand einfach auf das falsche konzept gesetzt

    hauptsache mĂŒnchen hat auch ein shop on shop luxus store wurscht wo, wie und wie teuer

    flascher standort, kunden vergraulen durch permanenten umbau,

    dumme preispolitk nur damit man /frau / karstadt sich als luxuskaufhaus versteht..


  • parisoffice sagt:

    Ach, Susi, sollen wir diese Analyse nicht mal zu Arcandor schicken?
  • susi sagt:

    sorry @paris office sollte jetzt nicht so nörgelnd rĂŒber kommen!

    die argumente die ihr vorbringt sind generell sicher richtig hier fehlt mir der internationale vergleich:-((


    ich wollte nur was zum oberpollinger sagen, einem urgestein aus mĂŒnchen
  • Modepilot - Fashion, Mode, Style, Beauty, Models, Kleidung sagt:

    [...] wir vorgestern die Diskussion zu den KaufhÀusern in Deutschland hatten und ich von der neuen Luxusabteilung von Galeries Lafayette geschwÀrmt habe, kommen hier [...]
  • Modepilot - Fashion, Mode, Style, Beauty, Models, Kleidung sagt:

    [...] habe es versprochen (bei unserer Kaufhaus-Debatte) und ich halte es auch ein. Hiermit starte ich eine Kurz-Serie auf Modepilot, die heißt [...]
  • Elise sagt:

    Ich glaube, dass unsere "LuxuskaufhĂ€user" nicht so wirklich funktionieren liegt einfach zu einem Großteil auch daran, dass sie eben zu solchen Konzernen wie Arcandor gehören. Da können einfach keine ENtscheidungen zur Entwicklung getroffen werden, die sich wirklich ganz am Markt und am Kunden orientieren, sondern es haben immer Leute etwas zu sagen, die von Tuten und Blasen auf dem speziellen gebiet dann nunmal keine Ahnung haben. Aber vielleicht haben die ja eine neue Chance, wenn Arcandor nun doch wirklich pleite gehen sollte, sowas kann ja auch sehr befreiend wirken.