Die Editorialista

Auf Myspace Laufsteg hat Mary einen interessanten Artikel über den Hype um Moderedakteurinnen bzw. Chefredakteurinnen von Modemagazinen verfasst. Sie nennt sie: die Editorialista. Hier geht es zum Artikel.

Mary beschreibt die Fashion-mächtigen Damen so:

Sie hat exklusiven Zugang zu den schönsten Kleidern der Saison und weiß immer als Erste, was wann und wo zu tragen ist. Sie kennt die Designer, sie kennt die Einkäufer, sie bekommt (wahrscheinlich) alles günstiger und schneller als der Rest. Sie ist das neue It-Girl, aber im Gegensatz zu Hohlbirnen wie Paris Hilton oder Cory Kennedy, hat sie einen Job: Sie arbeitet als Redakteurin bei der Vogue oder der Elle. (Natürlich (!) nicht bei den deutschen Ausgaben.) 

Damit hat Mary vollkommen Recht. So ist es, und jeder weiß, dass sich die Damen ihre Klamotten natürlich nicht kaufen müssen. Die bekommen die geschenkt, denn die Firmen wissen ja ganz genau, dass die Editorialistas in ihren Klamotten und mit ihren Taschen fotografiert werden. Doch nur die bekommt die schicken Sachen, die darin auch gut aussieht. Mary trifft das ganz genau und zeigt die kritischen Folgen auch für uns Modeblogs auf:

Nachteil dabei ist, dass der Schönheits-Druck steigt. Um in der nicht gerade für ihre Rücksichtnahme bekannte Modebranche zu bestehen, muss man sich anstrengen. Wer über Mode schreiben will, sollte auch super aussehen: Modelfigur ist Pflicht. Wie soll man sonst in die schönen Samples passen? …  Und nicht nur im Print ist das so – auch online sind die am erfolgreichsten, die schön, stilsicher und fotogen sind. Da wird die Relevanz eines Modeblogs schon mal in Frage gestellt, weil eine der Autorinnen die falschen Socken trägt oder der Blog aufgegeben, weil das Geld für neue Kleider fehlt. Als Kennzeichen einer neuen Oberflächlichkeit steht diese Entwicklung dem Versprechen der Modeblogs, Mode demokratischer und offener zu machen, entgegen. Wo es eigentlich darum gehen könnte, altbekannte Stereotype zu brechen, werden diese nur gefestigt.

Unsere Kolleginnen von Les Mads haben das Thema aufgegriffen (was ich hier ja auch tue, weil es einfach wichtig ist) und beschreiben die Auswahlkriterien der Streetstyle-Jäger en detail:

Das Streetstyle-Verfahren, vornehmlich bei Modewochen: Garance Dorè lichtet nur die dominante, starke Businessfrau ab, die sich die neuen Rock-Owens-Stiefel leisten kann und trotz Alter – und das ist die Herausforderung- nicht verbraucht, sondern lebenserfahren und unkompliziert ausschaut. Der Facehunter, hat sich beinahe ausschließlich auf rockige Models (am liebsten blond) spezialisiert und drückt unter 1,80 Meter nicht mehr auf den Auslöser. Tommy von Jak & Jil, der Margiela aus mehreren hundert Metern riecht und sich geradezu verbissen auf die Redakteurin stürzt, die die neuen Nicholas-Kirkwood-Heels bereits nach der Show trägt. Und auch bei Stockholm Streetstyle sehen sie letztlich alle gleich aus, weil nur die blonden „Ich-kombiniere-Acne-zu-Miu-Miu“-Trägerinnen abgelichtet werden.

Auch das stimmt alles, aber warum müssen wir immer wieder von den gleichen Streetstylern sprechen? Es gibt noch sehr wohl den demokratischen Anspruch, den sich Mary wünscht. Aber eben nicht bei Blogs, die längst nicht mehr unabhängig sind und die inzwischen eng verbunden mit dem Print arbeiten. Ich stelle hier mal ein paar Streetstyle-Fotografen vor, die sehr schöne Bilder machen und sehr wohl auch andere ablichten, aber deren Blogs man nicht kennt oder nicht beachtet. Von den vieren weiß ich von drei gar nicht die Namen, aber sie alle sind nicht nur auf der Jagd nach Carine, Giovanna und Renée. Das kann ich versichern, denn ich stehe mir mit ihnen zusammen meine Beine in den Bauch vor dem Fashionzelt in den Tuileries.

Der Typ von Style and the City.

Die traurige und sehr ernste Spanierin.

Der selbst immer gut gekleidete und nette Typ mit der Leica.

Und natürlich Bill, der Große, Cunningham.

Und zu Mary: Warum lichten wir nicht Christiane Arp, Petra Winter, Sabine Nedelchev etcetera ab? Ich weiß es nicht, denn auch sie sind gut angezogen. Bloß ich für meinen Teil will das nicht, denn ich kenne viele persönlich und arbeite mit ihnen zusammen. Daher kommt das für mich nicht in Frage.

Photo By: Modepilot/parisoffice
4 Kommentare zu
“Die Editorialista”
  • danke für’s aufgreifen des themas! ich persönlich finde übrigens die deutsche riege nicht sonderlich ablichtenswert. die sind allesamt gut, aber doch konservativ angezogen. frau arp in balmain oder margiela – unvorstellbar! oder habe ich sie bisher einfach zu selten getroffen?

    und: bei der börlin feschnwiek ließ sich frau nedelchev immer direkt vor die tür des zeltes fahren – wie soll man sie so fotografieren? die französische vogue gang benutzt den park als laufsteg, das ist weitaus praktischer

  • Das stimmt! Frau Roitfeld lacht auch immer, stellt sich in Pose und ist sehr geduldig mit uns Fotografen. Auch die beiden Sozzanis sind immer freundlich.

    Die Deutschen haben halt meistens schwarze Klamotten an. Da ist sicherlich auch ein Balenciaga- oder Balmain-Blazer darunter, nur eben in Schwarz. Ausnahmen bestätigen dennoch die Regel, wie z.B. Petra Winter, früher als Redakteurin Julia Freitag, die wir dann wohl bei Wunderkind in Wunderkind sehen werden. Veronique, die Modechefin der Cosmo ist auch immer sehr witzig angezogen, aber sie ist auch Französin. Wer noch?

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