YSL&Pierre Bergé: Jahrhundertversteigerung IV

Klar, braucht es bei so viel Kunst auch ein schickes Drumherum. Die Location an sich ist ein Traum und die Besucher - hui. Kurzum: Ich habe selten mehr Pelze und Kelly-Bags auf einen Haufen gesehen. Das war draußen.
Drinnen herrschte Super-Stimmung, alle waren heiter. So sehen zufriedene Christies-Auktionare nach dem ersten Tag Versteigerung aus. Die rechnen wohl gerade ihre Prämie aus.
Die Christies Mitarbeiterin hatte sich auch themengerechte Schuhe zugelegt:
Und dann kam die Pressekonferenz und Pierre Bergé:
Der bedankte sich erstmal beim Volk von Paris, das so zahlreich erschienen ist, die Ausstellung anzugucken (Modepilot berichtete). "Sie haben Stunden gewartet, das zu sehen. Das hat mich sehr bewegt."
Was sagte er noch? Ein Gemälde war beschädigt worden, das behält er. "Ich habe dann auch bei dieser Versteigerung ein Ticket gewonnen. Das freut mich." Er selbst hat nie an den Erfolg der Versteigerung gezweifelt, während die von Christies zugaben, dass sie sehr wohl angesichts der Krisenstimmung zweifelten.
Der bewegendste Moment: Mit brüchiger Stimme erklärte Bergé: "Am Tag, als Yves Saint Laurent starb, am 1. Juni 2008, hatte die Kollektion ihren Zweck erfüllt. Kunst gehört uns nicht. Kunst ist bei uns nur im Transit. Wir durften uns glücklich schätzen, dass wir die Werke eine Zeit begleitet durften. Nun sind sie bei anderen Sammlern. Ich will nicht über Tote sprechen, aber Yves wäre sehr glücklich. Er war von der Kunst fasziniert."
Als YSL starb, wollte Bergé eigentlich ein Museum bauen, wo alle Kleider, Modelle und Kunstsachen ausgestellt werden sollten, doch dazu langte das Geld nicht. Also verkauft er nun alles und steckt die Erlöse in die Aids-Forschung, karitative Zwecke und die eigene Stiftung, die Fondation, die Ausstellungen rund um YSL organisiert.
Zum Problem mit den chinesischen Skulpturen (siehe früherer Artikel) sagte er: "China kann ja bei mir anrufen. Aber ich bin der Eigner und ich weiß, wie ich sie gekauft habe. Ich hatte viel Glück, sie zu bekommen. Aber wenn wir schon über Rechte reden, dann kann China auch die Freiheitsrechte an Tibet zurückgeben und den Dalai Lama die Einreise erlauben."
Christies war über dieses Zitat dann not amused und sagte, dass man die Herkunft der Stücke genau geprüft hätte und alles in Ordnung sei.
Auf die Frage, ob er noch mal Kunst sammle, sagte Bergé: "Nein, ich bin zu alt. Es gibt eine Zeit, da fängt man eine Sammlung an, pflanzt einen Baum, hat Kinder. Das alles kann ich nicht mehr. Die Zeit ist endgültig vorbei."
Fotos: modepilot/parisoffice
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