Lese-Tipp: SZ Online zur Berlin Fashion Week

So. Berlin ist rum und da haben wir sie mal wieder, die SZ-Online-Modekritik. Wie immer ein Hord der interessanten Aspekte und Beurteilungen. 

Los geht’s recht forsch. Holla, dachte ich. Diesmal haben sie mal jemanden hingeschickt, der Ahnung hat. Die Autorin Katharina Höller sagt mir allerdings wenig. Gut, ich lasse Euch entscheiden über den Artikel-Einstieg und gehe später ins Detail. 

Im Vergleich zu Paris, Mailand und New York ist Berlin das totale Provinzkaff. Die wirklich bekannten deutschen Designer lassen sich an einer Hand abzählen. In Berlin gefeierte Jungdesigner können im internationalen Wettbewerb nicht mithalten. Mal fehlen ihnen die guten Ideen, mal das notwenige Kapital. Und deutsche Konsumenten beweisen kein glückliches Händchen für Stil: Sie sind entweder bieder oder tragen zu dick auf.

Weiter geht es zu Kaviar Gauche und der Taschen-Präsentation

… Den Bekanntheitsgrad der Berlinerinnen wird dieser PR-Gag in jedem Fall steigern. Womöglich hängt derweil die eigentliche Kollektion schon im Showroom und wartet auf Einkäufer.

Ja. Das mag sein, aber warum fragt man dann nicht nach oder geht in den Showroom oder geht backstage und fragt die netten Designerinnen selbst? Von der SZ erwarte ich mehr Recherche. 

… Zu der illustren Runde gesellte sich auch Christiane Arp, Chefredakteurin der Vogue. Es war die erste Fashion Week, auf der sie jungen, deutschen Designern die Ehre ihres Besuchs erwies.

Stimmt nicht. Christiane Arp hatte sich schon mal in Berlin gezeigt. Modepilot berichtete

Zu Bernhard Willhelm: … Wer aber genau hinsah, entdeckte liebevoll ausgearbeitete Details wie zum Beispiel die Raffung um das männliche Geschlechtsteil an einer Jogginghose. Öhm, interessant, dass ihr das als einziges Detail aufgefallen ist.

Weiter geht es im Text nach viel pseudo-intellektuellem Kultur-Fashion-Blabla:

Als Außenstehende Brancheninterne zog Melissa Drier von WWD ihre Fashion-Week-Bilanz: „Deutschland ist kein Land, in dem Mode ein Kulturgut ist. Die Menschen hier sind entweder normal und bieder angezogen, oder ihre Klamotten sind so „into your face“, dass jeder denkt: Okay, das ist Entertainment. Niemand hier sieht schöne Kleidung als privates Vergnügen.“

Aha, eine außenstehende Brancheninterne?  Warum ist das Adjektiv groß geschrieben und was ist das? Und warum wird immer nur die WWD-Frau zitiert? Gab es niemanden anderes? Im Zitat ist auch was falsch, denn Mode gehört sehr wohl zu unserem Kulturgut. Frau Höller hätte da widersprechen müssen. Denn: Jahrzehntelang bestimmte die Berliner Mode große Teile Europas. Jedoch waren die Modehäuser in jüdischer Hand und wurden durch den Krieg ausgelöscht.

Und dann der Schluss. Zieht Euch den bitte rein. Hier spricht eine echte Expertin, die viele Jahre Modejournalismus auf dem Buckel hat und sich solch‘ eine Belehrung erlauben kann: 

Dass sie Recht hat, wenn sie sagt: „Mode muss Spass machen“ bewies Bernhard Willhelm in seiner Darbietung sehr anschaulich. (…)  Also: Bitte in Zukunft nicht mehr so bemüht und verkrampft. Die Berliner Modewoche muss Spaß machen. 

Ja, Mädel, wir gehorchen und machen uns locker.

Foto: modepilot/milanoffice

23 Kommentare zu
“Lese-Tipp: SZ Online zur Berlin Fashion Week”
  • sz halt
    da dürfte jetzt mal eine ran die in den grossen metropolen paris mailand und new york anscheinend nicht rein (und daher auch nicht ran) darf 🙂
    a bisser frust muss sein

    dieser ewige vergleich mt paris mailand und new york -> darum geht es berlin nicht, es stimmt zwar dass nach oben hin noch viel platz ist aber ein anfang ist gemacht …
    schön wäre wenn noch ein paar mehr deutsche designer hier zeigen würden…

    und was sie zu den outfits der deutschen meint, sorry aber so schlecht schneiden die inländer hier im vergleich nicht ab

  • dabei sind die modestücke in der sz (zumindest am wochenende) meist ganz gut. das hier ist aber wahrhaft eine katastrophe. mode muss spaß machen? da schreibt vermutlich die bildzeitung besserer eventkritiken. gute schreiber über mode zu finden, sollte doch nicht so schwer sein. gute modeblogger, die besseres leisten können, gibt es zu hauf. aber eine redakteurin ohne ahnung, ist vermutlich mal wieder eher der weg des klassichen journalismus.

  • ich habe gerade sogar das komplizierte registrierungsverfahren bei der sz in kauf genommen, um den artikel zu kommentieren. sowas geht nicht. nicht bei der sz. nicht auf drei seiten. und dann die abfälligen kommentare über die designer, bei vollkommener ahnungslosigkeit.

  • ich würde sagen, dass vor allem modejournalistisch die deutschen tageszeitungen einem provinzkaff ähneln. gleich mal christiane zu einem kommentar anstacheln, sie war auf allen berliner modewochen…

  • Also, tooposhtopush, wenn Du es schaffst, dass Frau Arp hier auf Modepilot einen Kommentar hinterlässt, dann kriegste auch ein paar High Heels 😉 oder noch besser das Modepilot-Verdienstabzeichen. Persönlich überreicht auf der nächsten Pariser Fashionweek.

  • Frau Arp hat keine Zeit zum Kommentieren. Siehe aktuellen Apropos-Beitrag. Sie managte zwei 19.30-Uhr-Termine am Samstag (Apropos und Eickhoff) und nahm im Anschluss auch noch Philipp Wolff (Hugo Boss) mit zur Vanity-Fair-Party…

  • Ich meine damit (obiger Kommentar) den Beitrag von Tessa.
    Modejournalistin hat sich mal dazwischen gedrängelt mit ihrem Party-Berichten, wo wir hier doch über ernsthafte Medienkritik reden…

    War gerade bei der SZ auf der Seite. Mauer Kritik-Vorwurf vom Moderator. Huch, da reagiert aber eine Redaktion ganz schon uncool. Das macht mir das Ganze noch unsympathischer. Schauen wir mal, vielleicht finde ich mal Zeit, heute abend einen Link zu uns reinzustellen, dann haben sie ihre konkret gewünschten Kritikpunkte 😉

  • Ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber wer so eine amateurhaft-hässliche-Blogseite „gestaltet“, sollte sich in Punkto „Kritik“ an Journalisten mal schön zurückhalten :).
    Grüße aus B

  • Inhalt und Oberfläche gehören ja nicht allzu selten zusammen.
    Und gerade jemandem, der meint von Mode Ahnung zu haben, könnte man ja ein Mindestmaß an Gespür für grafische Komposition und Farbwahl zutrauen.

  • Also ich würde einfach mal raten an, lieber Anonym: Wenn Dir Inhalt und Layout nicht gefallen, einfach weiter klicken. Alternativen findest Du im Blogroll. Viel Spaß!

  • das ist doch der trick der menschen mit verstand: auch im hässlichen oder zunächst unscheinbaren die qualität zu finden. über geschmack kann man zudem unendwegt und ohne einigung streiten. für gute texte hingegegen existieren maßstäbe.

  • Ein paar Kleinigkeiten sind euch nicht aufgefallen:
    Der Artikel ist mit „eine Bilanz von“ ganz klar als Meinung gekennzeichnet und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Das ist kein Bericht.
    Es werden insgesamt fünf verschiedene Personen zitiert-zumindest nach meiner Zählung. Außerdem hat jede große Redaktion einen Textchef. Und wenn dem Fehler (falls denn welche vorhanden sind) nicht auffallen – sein Pech. sueddeutsche.de ist außerdem eine Tageszeitung mit ganz normalen, größtenteils Fashion-unkundigen Lesern. Da muss man eine Meinung vielleicht ein bisschen pointierter formulieren, damit die Botschaft beim Leser auch ankommt. Abgesehen davon: Wer sich mit Journalismus und den Maßstäben guter Texte so fantastisch auskennt sollte zumindest seine eigenen Kommentare grammatikalisch richtig und in anständigem Deutsch formulieren können.

  • @ anonym: Angriff ist die beste Verteidigung oder wie? Kann man denn Kritik bzw. eine verschiedene Meinung nicht auch etwas gelassener sehen?

  • so viel zum thema verschiedene Meinungen gelassener sehen:

    a bisserl frust muss sein/Rindermesse aus Oberpfaffenhofen/War gerade bei der SZ auf der Seite. Mauer Kritik-Vorwurf vom Moderator. Huch, da reagiert aber eine Redaktion ganz schon uncool. Das macht mir das Ganze noch unsympathischer/eine redakteurin ohne ahnung, ist vermutlich mal wieder eher der weg des klassichen journalismus/bei vollkommener ahnungslosigkeit/Weiter geht es im Text nach viel pseudo-intellektuellem Kultur-Fashion-Blabla…etc etc

  • Ich habe mich nicht auf den Artikel bzw. die Meinungen dazu in den verschiedenen Kommentaren bezogen.
    Ich finde einfach nur die Raktion von anomym „Ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber wer so eine amateurhaft-hässliche-Blogseite “gestaltet”, sollte sich in Punkto “Kritik” an Journalisten mal schön zurückhalten 🙂 “ aggressiv.
    Ist das etwa eine Gegenargumentation zur Kritik am Artikel?

  • Ja, Auchmilan, ich nehme an, dass soll es sein. Ich werde nun auch noch einmal was dazu hier schreiben und dann ist auch gut.
    Zu Anonym 2:
    1. Eine Bilanz ist keine Stilform der Meinungsäußerung. Im deutschen Journalismus ist das allein dem Kommentar vorbehalten. Und dann steht auch Kommentar über dem Artikel.
    2. Die Autorin gibt keine Meinung zum Besten, sondern Belehrungen. Das ist noch weniger im Journalismus erwünscht.
    3. Der Textchef habe seine Arbeit nicht gemacht, kann kein Argument sein. Denn es ist nicht seine Aufgabe, Recherchelücken zu füllen.
    4. Die sueddeutsche.de ist keine Tageszeitung, sondern ein Webangebot. Inwieweit die beiden Redaktionen zusammenarbeiten, ist nicht mir nicht bekannt.
    5. Die SZ hat Fashion-unkundige Leser. Das stimmt nicht. Die SZ (ich rede von der Tageszeitung) hat in der Mode einen sehr guten Ruf zu verteidigen. Die Mode-Specials in den 90ern waren Sammelstücke. Die SZ gehört in meinen Augen mit der FAZ zu den besten deutschen Tageszeitungen und publiziert hervorragende Artikel. Die Seite 3 ist Kult. Die Redakteure gewinnen ständig große Journalismus-Preise. Deswegen liegt die Messlatte ja so hoch. In Paris bekommen die Redakteure der SZ Einladungen zu Fashion-Shows, von denen ich nur träume. Fazit: Die SZ hat sehr wohl einen Ruf in der Mode zu verteidigen und muss genauso einwandfreie Artikel zu diesem Thema abdrucken, wie sie es im Politik- oder Wirtschafts-Ressort tut.
    6. Ich habe keine Zeit, die Zitate nachzuzählen.
    7. Bitte nennen Sie mir meine grammatikalischen Fehler in den Kommentaren. Aber ich habe sie genauso schnell geschrieben, wie Sie ihren Kommentar, bei dem im letzten Satz ein Komma fehlt. Das kann passieren und das ist – finde ich – wenigstens in den Kommentaren eines Blogs auch nicht so schlimm.

  • Ach, darlings.

    Margarete Dünser hätte Euch empfohlen, besser beim Beobachten Eurer eigenen Nulldiät zu bleiben als sich hier weiter sinnentleert zu verbreiten.

    Das klassische Syndrom der weiblichen Spezies der ADABEI’S…

    Die beste Empfehlung, die man Euch geben kann, ist der Hinweis auf den Deutschen Pressekodex.

    Es scheint fraglich und nicht absehbar, ob Ihr bei der Lektüre der Abschnitte“Unabhängige Berichterstattung“ und „Persönliche Vorteilsnahme“ einen Erkenntnisgewinn kultiviert, der sich zumindest im eigenen persönlichen Anspruch manifestiert.

    Hoffen wir das Beste, liebe Leser…

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