Lese-Tipp: "Stoff für Zoff" in der SZ

bild-24
Hier habe ich mal wieder ein echtes Artikel-Schmankerl, wie man im Bayerischen sagt. Die Süddeutsche, die ich in der letzten Zeit mehrmals loben musste für gute Modeberichterstattung hat sich dem Kopftuch gewidmet (hier der Link zum Artikel). Eigentlich eine sehr gute Idee, Kopftücher sind ja wieder top modisch. Siehe oben, Bild aus der Anzeigenkampagne von Dolce & Gabbana.
Bloß wurde von der SZ das Thema doch ein bisschen weiter gefasst als manche denken könnten. Weil Modeartikel viel zu öde sind, wurde der Bericht aufgepeppt mit ein bisschen Kultur, Politik und Wirtschaft. Also nimmt die SZ nicht nur das westliche Kopftuch ins Visier, sondern auch gleich die Moslem-Tücher, die Foulards - und Ihr hab es schon geahnt,  - auch das Palituch darf hier nicht fehlen (auch wenn es modisch schon längst wieder out ist). Das ist mal wieder ein Ritt durch die Prärie! Ok, gehen wir ins Detail, denn es gibt zwei Passagen, die ich nicht kapiere:
1. Zitat:
Frauen mit üppigem Budget aus den Wirtschaftsmetropolen der Vereinigten Arabischen Emirate spielen mit dem Reiz eines ungelüfteten Geheimnisses, der von Verhüllung ausgeht. So wird das quadratische Stück Stoff zur Projektionsfläche. Ihre züchtigen Interpretationen der großen Modehäuser Chanel, Burberry und Hermès werden von Westlern, die diese Kunst selten beherrschen, abfällig als Petro-Chic abgetan.
Hm, da habe ich mal eine Frage: Was ist Petro-Schick? Hab's mal gegoogelt und nichts gefunden. OK, eine Wortschöpfung, die uns die Autorin Eva Munz aber nicht erklären will. Ich tippe mal auf Petrol-Chick, also Chick, der mit Geld aus dem Ölgeschäft finanziert wird. Ist es das?
2. Zitat:
Nun erlebt das Kopftuch eine Renaissance, nicht nur in den muslimischen Städten von Algier bis Jakarta, auch in deren Diasporas von Los Angeles bis Berlin. In Paris ist das Tuch längst wieder dort gelandet, wo es herkommt, nämlich auf dem Kopf modebewusster Frauen diverser Konfessionen - zu sehen neulich bei Besucherinnen der Prêt-à-Porter-Schauen. Dass manche von ihnen aussehen wie Trümmerfrauen, daran muss man sich noch gewöhnen.
Wo? Wo waren die zu sehen? Auf den Prêt-à-Porter-Schauen? Ich habe keine gesehen und gerade noch mal alle meine Leute-Schauenbesucher-Bilder gecheckt. Nichts. Mann, habe ich die verpasst?! So ein Ärger! Vielleicht in Berlin? Wer ein Bild hat, möge es mir zuschicken, denn ich habe keines. Es wird sofort veröffentlicht.
3. Zitat:
Unterdes verstricken sich Soziologen, Migrations-Theoretiker, Krisenreporter aus Neukölln und EU-Ethnographen immer weiter in unübersichtliche Argumentationen. Die Kopftuchdiskussion wirkt allmählich bemüht: Der findige Türke, der sich als seine tote Mutter verkleidete und sich damit jahrelang ihre Rente von deutschen Steuergeldern erschlich? Ohne Kopftuch undenkbar!
Inshallah - "so Gott will" - wird Schauspieler Sacha Baron Cohen (Borat) in seinem neuen Filmprojekt als österreichischer Modereporter Brüno das Stoffquadrat beleuchten - und unseren Willen, alles auszudiskutieren, nutzen, um endlich gegen diesen Wust aus Stereotypen und Klischees anzugehen.
Das mal nur so als Abbinder, denn ich finde das witzig, dass sie da von Klischees und so spricht. Tatsächlich hätte mir eine historische Analyse des westlichen Kopftuchs echt interessiert, statt dessen reitet die Autorin aber zum x-ten Mal auf den Klischees der religiösen Kopftücher, Foulards etc. rum. Wie schade.
Foto: Screenshot Dolce & Gabbana
Photo Credit: false

Kommentare