Skandal um Vogue India

Darf man arme Menschen als dekorative Fotoobjekte für Luxusgüter benutzen? Genau das ist die Frage, die sich gerade so einige Menschen in Indien und im Rest der Welt stellen. Der Anlass für die Debatte ist eine Fotostrecke in der indischen Vogue, die Inder aus ärmsten Verhältnissen mit Luxusobjekten, wie einem 200 Dollar Burberry-Schirm oder einem 100 Dollar Fendi-Lätzchen abbilden oder sogar mit einer Kelly-Bag für mehrere Tausend US-Dollar.  Objekten also, die dem Monatsgehalt der abgebildeten Real-Models entsprechen oder absolut jenseits der Summe liegen, die sie in ihrem ganzen Leben erarbeiten können.
Ein Hinweis: Rund 80% der Inder verdienen rund 2 US$ pro Tag, viele liegen darunter.
Über die extremen Unterschiede zwischen dem reellen Alltag und der abgebildeten Welt in der Vogue India haben wir hier schon einmal diskutiert. Nun diskutieren auch andere mit. Das schreibt der englische Telegraph und das die NY Times und zitiert Priya Tanna, eine Redakteurin der indischen Vogue mit den Worten: "Man muss sich erinnern, dass man Mode nicht ernst nehmen kann. Wir wollen weder ein politisches Statement abgeben, noch wollen wir die Welt retten."
Sagt mal, wie findet ihr das?
Fotos: Vogue India
Photo Credit: false

Kommentare

  • modejournalistin sagt:

    Ich finde gut, dass eine Diskussion in Gang gesetzt wird. Klar, schocken die Bilder und berühren unangehm. Huch, da werden wir Modemagazin-Durchblätterer plötzlich mit the real life konfrontiert. Da müssen wir durch...
  • blomquist sagt:

    Einerseits finde ich die Idee, arme Menschen im Zusammenhang mit Luxusgütern zu fotografieren ziemlich daneben.....

    Aber andererseits sieht man doch im Fernsehen, in Reportagen über Hartz IV-Empfänger auch gerne den neusten Flachbild-TV im Hintergrund....


  • tooposhtopush sagt:

    Das geht leider gar nicht. Oder gibts dahinter noch eine journalistische Geschichte über die Kluft zwischen Arm und Reich in Indien?

    Genauso wenig geht das wie jede dritte Afrika-Mode-Seite in der Savanne oder auch gerne mit einheimischen Stämmen fotografiert wird. Erinnere mich noch gut an eine US-Vogue im vergangenen Jahr als ein natürlich schwarzes, "rassiges" Model zwischen bunt bemalten Kriegern stammt und das Maultier eine LV-Kaschmirdecke als Sattel hatte.


  • tooposhtopush sagt:

    Hat den Obdachlosen in Paris ja auch nichts geholfen, dass sich Galliano bei seiner ersten Dior-Couture von Clochards inspirieren ließ.
  • parisoffice sagt:

    Inspirieren lassen und benutzen als Model finde ich sind zwei Paar Schuhe. Aber ansonsten bin ich auch der Meinung: Nö, das ist unaufrichtig. Die wollen pseudo-authentisch sein und sich einen intellektuellen Anspruch à la Geo-Zeitschrift geben, aber nehmen diese Menschen nur als bunte Folklore für ihre Produkte.

    Neu ist das ja alles keineswegs. Siehe dieses Avedon Bild, das im Pariser Marais entstand: http://www.richardavedon.info/photos/index.html. Bloß dass Avedon dann umschwenkte und später auch Realpeople in Realsituationen ablichtete.


  • Maude sagt:

    Ich finde es daneben. Vor ca einem Jahr gab es in der NZZ am Sonntag eine ähnliche Geschichte: Brasilianische Slumbewohner mit den neusten Designerbrillen auf der Nase und einer Überschrift à la "mit diesen Brillen werden SOGAR Slumbewohner zu Stars". Nachdem es heftigen Protest gehagelt hatte, meinte die Redaktion, es sei ein Fehler unterlaufen, die "Models" seien irgendwelche Leute von der Strasse, man habe nie so despektierlich sein wollen. Jaja. Auf die bescheuerte Idee mit der Überschrift ist dennoch jemand gekommen.
  • modejournalistin sagt:

    mich würde auch interessieren, was der Text zu der Strecke sagt.
  • Hanna sagt:

    wen interessierts? da werden fotoproduktionen in südafrika gemacht weil das licht so schön ist und in der dritten welt werden die klamotten hergestellt. warum regt sich da einer über ne modestrecke in der indian vogue auf? achja: es ist ja gerade fairtrade in der mode 'in'. politisch korrekt wie der modeinteressierte mensch jetzt ja ist, ist diese produktion regelrecht eine klatsche ins gesicht.

    also: ruhig aufregen und wenn man sich beruhigt hat, auf der dachterrasse zurücklehnen und in der neuen jacke eingemummelt den schampus-korken knallen lassen.

    und im hinterkopf der gedanke an die etro-handtasche aus der indian-vogue. die sah doch so hübsch aus. die könnte man sich ja... merkt ja keiner... aber psssst, wir sind doch so politisch korrekt.


  • annonym sagt:

    "Let's face it, we're a third world country and fashion is not a priority" war eine Aussage von Ravi Bajaj in ähnlichem Zusammenhang.
    Weswegen die Aufregung, letztendlich ist es immer nur ein Stück Stoff das zu sehen ist und das ist von erstaunlich geringem Nutzen. Der Wert den die sich aufregende Leserschaft den abgebildeten Produkten beimisst, besteht ja nur in der Gewissheit, der Anerkennung eines unanhängig vom Produktwert bestehenden exorbitant hohen ideellen Wertes. Diesen Wert messen die dabgebildeten Personen den Produkten offensichtlich nicht bei, womit sie die Luxusprodukte ihres Luxuspredikates berauben und der Betrachter vielfach erst wieder in die Lage versetzt wird das Produkt an sich zu betrachten ohne die in anderer Umgebung alles dominierende Aura des Brandnames.
  • susi sagt:

    bin kein freund von politisch korrekter WERBUNG ala

    ein lächelnder chinese, ein rothaariger europäer und ein schwarzer wie benetton meint rassismus zu bekämpfen zu können


    auch die "modisch-korrekten" entgleisung von steve meisel im irak..
    aber diese bilder find ich sind subtiler ..ohne anmerkung sind die luxusobjekte zumindest für mich nicht sichtbar..oder auch von den anderen klamotten nicht zu unterscheiden---> vielleicht doch eine wirklich gelungene kritik
    und zweitens sind diese mensch -so empfinde ich diese blider- in würde fotographiert worden und die ältere dame macht auf dem foto einen nicht unzufriedenen eindruck