As times goes by

Ich muss noch mal auf die Gundlach Ausstellung in Hamburg zurück kommen. Denn unter den Pressebildern habe ich dieses Bild gefunden.
Das Model ist Grace Coddington. Ich hatte mich schon immer gefragt, wie Grace früher aussah. Denn ich kenne Grace Coddington nur so.
Dass Grace, heute ihres Zeichen Kreativdirektorin der US Vogue und damit einer der einflussreichsten Modejournalistinnen überhaupt, früher gemodelt hatte, wusste ich. Aber ehrlich gesagt, ich konnte es mir nie so richtig vorstellen. Als ich nun das Bild sah, habe ich mich gefragt, wie alt sie wohl heute ist. Und dabei bin ich auf dieses Portrait in der NY Times gestossen von 2003. Laut diesem Artikel und meinem Taschenrechner müsste sie nun 68 sein. Und dann ehrlich gesagt, finde ich ja schon wieder, dass sie sich sehr gut gehalten hat. Wer in solcher Würde auf die 70 zu geht, vor dem ziehe ich den Hut.
Eines jedoch macht mich dabei stutzig, nämlich dass eine fast 70-Jährige mir erzählt, was demnächst Trend ist. Hm, das finde ich bedenklich. Da muss ich auf den Artikel von Milanoffice hinweisen, der kurz und knapp feststellte: "Die Vogue lässt nach". Ehrlich gesagt, kein Wunder, wenn der Nachwuchs nicht nach oben kommt.
Fotos: F.C. Gundlach via Deichtorhallen, modepilot/parisoffice
Photo Credit: false

Kommentare

  • mahret sagt:

    nicht weniger bedenklich finde ich, wenn mir 12jähre sagen, was morgen trend wird.
  • Maude sagt:

    Ich bin der Meinung, dass die Fähigkeit, Trends zu setzen, nichts mit dem Alter zu tun hat. Und gerade den Mode-Urgesteinen vertraue ich wegen ihrer Kompetenz und Erfahrung mehr als einem "dahergelaufenen" jungen Schnösel, der gerade von der Uni kommt und die Trends bei Facehunter abliest.
  • tooposhtopush sagt:

    Stimme meinen Vorrednern zu. Warum soll man denn mit knapp 70 nicht weiter scharfe Stil-Augen haben können? Sie kann das ganze wenigstens einordnen und erkennt, wann - sagen wir - Pfauenfedern schon einmal zu sehen waren und woher Herr Galliano wohl seine ganzen Ideen abgekupfert hat. Bedenklich sind doch wirklich die 20jährigen, die glauben zu wissen, was jetzt gerade Trend ist. Vor allem: Was machen WIR wenn wir 50, 60, 70 sind?
  • parisoffice sagt:

    Ich finde es bei dieser Diskussion wirklich interessant, dass als Gegenbeispiel nun 12jährige oder 20jährige herangezogen werden. Was bitte ist mit den Thirty Somethings oder Mitte 40-Jährigen? Die scheinen da gar nicht vorzukommen. Denn scheinbar gilt: Jugendwahn versus Altgedienten. Sorry, aber gerade die können meiner Meinung nach etwas bewegen, doch meist rennen die Chefs entweder der Jugend hinterher oder bauen auf ihre Buddies von einst.
  • Maude sagt:

    Parisoffice, Du hast Recht. Daran habe ich nicht gedacht und als ich nun versucht habe, Koryphäen um die 40 zu finden, blieb ich bei Emmanuelle Alt, die ich in die Alterskategorie einordnen würde, stecken.

    Für mich persönlich ist diese Alterspanne zwischen 45 und 55 wohl noch zu sehr mit der Generation meiner Mutter verknüpft, als dass ich mir von ihr modisch etwas sagen lassen wollte. Aber das ist meine Ansicht und hat mit den Chefs, die etwas bewegen könnten, wenig zu tun.


  • parisoffice sagt:

    Ja, ich finde auch, die Gruppe ist dünn gesäht. Auch die etwas älteren Roitfelds, Sozzanis etc. dieser Welt machen einen hervorragenden Job. Jedoch stelle ich oft fest, dass gerade in der Hierarchie-Riege darunter einem gerne ganz Junge vorgezogen werden. Bloß weil irgendwelche Chefs denken, die bringen neue Impulse. Jedoch fehlt denen meist die Erfahrung.

    Zu den Älteren: Auch wenn es Ausnahmen gibt und dazu zähle ich gerne Grace Coddington (und auch Herrn Lagerfeld natürlich) merke ich, dass ab einem bestimmten Alter die Leute vorsichtig werden, vor riskanten Bildern und Texten zurück schrecken. Sie haben eben schon mal die Erfahrung gemacht, was das für Ärger einbringen kann. Bloß eben bringt einen oft genau dieses Risiko weiter.


  • tooposhtopush sagt:

    Toll! Eine Altersdebatte bei Modepilot. Sage noch einmal jemand, die Modefuzzis seien oberflächlich. Mein Eindruck von den jungen Kollegen ist (oft) ein ganz anderer. Zu schnell lassen sie sich vom "System" einlullen und wagen überhaupt nichts mehr. Im Gegensatz dazu sind die "Älteren" zwar abgeklärter, aber eben auch im positiven Sinn: Sie wissen, dass die Welt nicht untergeht, wenn mal ein - Oh mein Gott - Chanelrock nicht rechtzeitig für die Produktion angekommen ist bzw. es böse Reaktionen von allen Seiten hagelt. Mich gerade kürzlich mit Kolleginnen aus München darüber unterhalten, dass es wahnsinnig schwer ist, mutigen Nachwuchs zu finden. Vielleicht hat "Punk" gar nichts mit dem Alter, sondern mit der EInstellung zu tun?
  • parisoffice sagt:

    Das ist eine hoch interessante Feststellung.