Ja, zu Formen und Reformen

Besser spät als nie. Nachdem Modenationen wie Frankreich, Italien und die USA sich rechtlich gegen die Magersucht auf den Laufstegen ausgesprochen haben, zieht nun auch Deutschland nach. Das Bundesgesundheitsministerium hat zusammen mit wichtigen Vertretern der Mode- und Textilindustrie die "Initiative Leben hat Gewicht"  lanciert.
Hier ein kleiner Auszug aus der Rede von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Der heutige Tag setzt ein Zeichen im Kampf gegen gesundheitsschädlichen Schlankheitswahn. Die Nationale Charta der Textil- und Modebranche ist ein Meilenstein. Drei große Verbände und ein Messeveranstalter der Modeindustrie setzen damit ein deutliches Signal gegen ein unnatürliches und ungesundes Körperbild. Viele, gerade junge Menschen in der Pubertät, leiden unter dem Gefühl, nicht dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Wenn 'dünn sein' aber zur Maxime wird, wenn der Eindruck entsteht: Du musst so aussehen wie …! – dann ist das gefährlich. Oft trägt das sogar zu krankhaften Essstörungen bei. Mit der Charta zeigt die deutsche Mode- und Textilbranche, dass sie zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung steht."
Sehr schön. Und nun bitte ich meine beiden Mitstreiterinnen, die diese Woche nach Berlin fahren, auch genau aufzupassen, dass kein Model mehr unter Kleidergröße 36 auf den Laufstegen zu sehen ist. Und wenn doch, dann bitte melden. Ich werde das dann an Ulla Schmidt weiterleiten.
Foto: modepilot/parisoffice aus Haute Couture Zuhair Murad Winter 2008/2009
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Kommentare

  • milanoffice sagt:

    Wegen Berlin mache ich mir keine Sorgen: da sind ja sowieso eher die "normalen" Models am Start. Außervielleicht bei Hugo und Westwood ...
  • Maude sagt:

    Ich weiss immer nicht so genau, was ich von solchen "Reformen" halten soll. Aber ich bin auch kein alter Hase im Modebusiness und kann die Wirkung vielleicht weniger gut beurteilen. Was denkt denn ihr darüber? Glaubt ihr, dass sich dadurch irgendetwas ändert?
  • milanoffice sagt:

    Gar nichts ändert sich dadurch. Ich verstehe auch nicht, warum immer zwei Themen in der öffentlichen Diskussion in einen Topf geschmissen werden: einmal Magersucht, und dann dünne Models.

    Natürlich prägen die Mädchen (bzw. die Designer dahinter) unser Schönheitsempfinden, aber ob Size Zero-Mädchen direkt für Bulimie ind Anorexie verantworltich sind, wage ich mal zu bezweifeln.

    Zumal die Models meist gar nicht selbst magersüchtig sind: Sie haben halt einen bestimmten (sehr schmalen) Körperbau, der sie momentan eben zum Modeln prädestiniert. Das ist wie bei Leistungssportlern: Da landet man auch nur in der Spitze, wenn man bestimmte körperliche Dispositionen schon vorher mitbringt.


  • Maude sagt:

    Dieser Meinung bin ich auch. Aber es ist schwierig, den Leuten zu erklären, dass Magersucht nicht direkt mit dünnen Models zusammen hängen muss. Damit ein Mädchen eine Magersucht entwickeln kann, braucht es noch Einiges zusätzlich. Da reichen Gala, Glamour und Vogue nicht aus. Klar merke ich, dass sich meine eigene Sicht auf die Figuren von anderen Frauen verändert, wenn ich mich den ganzen Tag durch style.com klicken muss, aber das beeinflusst mich noch lange nicht so stark, dass ich mich selbst in dieses Raster zu pressen versuche. Mode muss man in meinen Augen abstrahieren, darf sie nicht immer eins zu eins übernehmen und auch nicht allzu ernst nehmen. Um das zu können, ist aber eine gewisse Selbstsicherheit und Distanz zu den Dingen von Nöten.

    Und meine Güte, Mode ist nicht alles, man kann prima damit Geld verdienen, es ist toll, sie anzuschauen, aber manchmal sollte man einfach einen Waldspaziergang machen oder mitten in der Nacht ein Butterbrot essen, um wieder runter zu kommen. Und jetzt, verdammt, sollte ich weiter arbeiten.


  • milanoffice sagt:

    Maude, dem kann ich nichts hinzufügen. Vor allem bei der Sache mit dem Butterbrot bin ich voll und ganz deiner Meinung.
  • Hase sagt:

    Ich finde das schon richtig, dass es keine dürren Model mehr geben soll.

    Natürlich sind sie für Magersucht oder Bulimie mitverantwortlich.

    Wenn keiner Size Zero so predigen würde, würden weniger Mädchen erkranken.


  • Nama sagt:

    Dünne Models = Magersucht/Bulemie ist wie Computerspiele = Amokläufer.
    Klar können dünne Laufstegmodels das Verhalten gerade junger Mädchen und Frauen beeinflussen. Aber die Modeindustrie ist nunmal ein Geschäft, in dem zurzeit dürre Typen gefragt sind. Per Gesetz kann man so was nicht verbieten.