Wir waren schneller

Es ist ja eher selten, dass man in Deutschland noch vor Frankreich einen neuen Trend entdeckt. Aber diesmal ist es so: Das Palituch war schon 2007 bei uns im LĂ€ndle absolut top und nun ist es das endlich auch in Paris. Hier heißt es aber nicht Pali, sondern Keffieh.
Und selbst unser aller Diane Kruger, geborene HeidkrĂŒger, trug es auf dem roten Teppich:
Fotos: modepilot/Parisoffice und www.wireimage.com
Photo Credit: false

Kommentare

  • Mia sagt:

    Nachmacher! 😉
  • trcre sagt:

    Indie Kids Wear The Keffiyah But Can't Spell PLO...
  • Mary sagt:

    naja, ich glaube diese these ist sehr brĂŒchig...
  • Parisoffice sagt:

    Ich habe letztes Jahr einen Artikel ĂŒber das Palituch geschrieben und dafĂŒr irre recherchiert. Fazit fĂŒr mich war: Ich mache den Trend nicht mit. Aus genau diesen GrĂŒnden. Ich habe vielerorts gehört, dass gerade die jĂŒdische Gemeinde mit diesen Modetrend schwer umgehen kann.

    Ich habe zwar noch ein Palituch, das mir in den 80ern mein Vater aus Jordanien mitbrachte, weil das Anfang der 80er "in" war. Heute bin ich schlauer. Statt Pali habe ich mir aus Moskau ein super Tuch mit Blumen mitgebracht. So eines wie die Damen auf dem letzten Bild, nur grĂ¶ĂŸer und in Schwarz. Das ist genau so schick und ich mache damit kein politisches Statement.


  • Mary sagt:

    ich stimme da zu, palituch zu tragen, auch die dinger die nur dran erinnern, finde ich fast dÀmlich
  • Fenke sagt:

    genau - ein trend, der schon mal einer war, aber damals wirklich in der 'indie' szene und jetzt verkommt an (möchtegern) hipstern
  • Andy sagt:

    Coole Kids tragen kein Palituch
    Okay, Du bist etwas verwundert. Du trÀgst ein Pali-Tuch. Du bist jung. Du bist radikal, oder auch nicht. Du nennst Dich antifaschistisch, oder auch nicht. Jedenfalls trÀgst Du ein Pali-Tuch.
    Vielleicht hast Du Dir das gerade gekauft, vielleicht ist es schon eine Weile her. Um auf den Punkt zu kommen: Jedes KleidungsstĂŒck ist eine Aussage. Jedes KleidungsstĂŒck hat eine Geschichte. Und dieses ganz besonders. Seit die Studenten im Jahr 1968 fĂŒr den Vietcong und gegen die Amerikaner in Vietnam waren, kam dieses KleidungsstĂŒck langsam in Mode.
    Damals war SolidaritĂ€t mit sogenannten Volksbefreiungsbewegungen, wie 1968 bis 1975 in Vietnam, schwer angesagt. „Das vietnamesische Volk kĂ€mpft um seine Freiheit!“ SpĂ€ter dann das „kurdische Volk“, oder eben das „palĂ€stinensische Volk“. Immer ging es dabei um „das Volk“. Seltsam. In Deutschland sprechen heute nur noch die Nazis von Volksbefreiung. Dabei berufen sich nicht zuletzt auf den „gerechten Kampf“ des „palĂ€stinensischen Volkes“: gegen Israel, gegen den jĂŒdischen Staat. Und da sind wir angelangt: Beim so genannten Nahostkonflikt. Bereits zwischen 1936 und 1939 wurde das Palituch, das ursprĂŒnglich nur die lĂ€ndliche Bevölkerung Arabiens trug, vom Großmufti von Jerusalem unter Strafandrohung bei der eigenen Bevölkerung durchgesetzt. Das Tragen europĂ€ischer HĂŒte wurde verboten. Diejenigen, die sich dagegen wehrten, wurden verprĂŒgelt oder erschossen. Die unter anderem durch solcherlei Maßnahmen geschaffene Einheit „arabischer Völker“ beeindruckte auch die Nationalsozialisten, die den Mufti und seine Bewegung nicht zuletzt wegen seines Antisemitismus unterstĂŒtzenswert fanden. Daher starteten sie Ende der dreißiger Jahre in Berlin eine Pressekampagne „gegen die Teilung PalĂ€stinas“ und unterstĂŒtzten den Mufti mit Geld. Dieser revanchierte sich dann im Zweiten Weltkrieg durch die Entsendung von Soldaten zur UnterstĂŒtzung der deutschen Wehrmacht bei der BekĂ€mpfung serbischer PartisanInnen.
    Seit Ende des Zweiten Weltkriegs und der StaatsgrĂŒndung Israels ist das Palituch Teil einer in der palĂ€stinensischen Bevölkerung aktuell wieder erstarkenden kulturellen und politischen Bewegung, die zwischen Mittelmeer und Jordan vor allem eines wollen: keine JĂŒdinnen und Juden. Was aber ist grundsĂ€tzlich von einer „Volksbefreiungsbewegung“ zu halten, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Staat Israel zu vernichten? Kaum zu glauben, aber nach einer reprĂ€sentativen Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2002 befĂŒrworten 88 Prozent der palĂ€stinensischen Bevölkerung SelbstmordanschlĂ€ge gegen israelische ZivilistInnen. Israel ist die einzge Gesellschaft im Nahen Osten, in der all diejenigen einigermaßen unbeschwert leben können, die nicht ins Raster von heterosexistischen, fundamentalistischen Zwangskollektiven passen: Schwule, Lesben, selbstbewusste Frauen, AtheistInnen, NonkonformistInnen und KommunistInnen.
    Halten wir fest: Das Palituch ist ein Ausdruck des Kampfes gegen Israel, dessen staatliche GrĂŒndung im Übrigen kein Produkt des „US-Imperialismus“, sondern Folge des europĂ€ischen Antisemitismus war. Dieser fand seinen Höhepunkt bekanntlich im industriellen Massenmord der Deutschen an ĂŒber sechs Millionen in Europa lebenden JĂŒdinnen und Juden. Gewöhnliche deutsche Angestellte bedienten die Krematorien, gewöhnliche deutsche Soldaten erschossen unterschiedslos MĂ€nner, Frauen und Kinder. Gewöhnliche deutsche Hausfrauen ersteigerten „arisierte Möbel“, bezogen die Wohnungen der Deportierten. Da mutet es zumindest seltsam an, wenn die Kinder der einst besiegten Deutschen sich in den 70er und 80er Jahren ausgerechnet PalĂ€stina als SolidaritĂ€tsobjekt aussuchten.
    Warum gerade PalÀstina?
    Weil es indirekt gegen die Juden und ihren sie mehr oder weniger gut schĂŒtzenden Staat ging? Es ist nicht lange her, da standen in der Hamburger Hafenstraße Losungen wie „Boykottiert Israel“. Mit der PalĂ€stina-SolidaritĂ€t kam das Pali -Tuch in den spĂ€ten sechziger Jahren nach Deutschland und hat sich bis jetzt gut gehalten.
    Und heute? Israel wird in einer Ende 2003 veröffentlichten Meinungsumfrage der EU von 65 Prozent der Befragten in Deutschland als „grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr den Frieden in der Welt“ angesehen. Das EinverstĂ€ndnis hierzulande in Bezug auf Israel ist hoch. Von PDS bis CSU sind sich fast alle einig, dass Israel ein rassistischer Terrorstaat sei. Und allein wenn sich so viele in Deutschland einig sind, kann etwas nicht stimmen. Vor diesem Hintergrund zumindest ist das Palituch eher so ein deutsches Mehrheitssymbol, Symbol des antiisraelischen Konsenses in diesem Land. Und warum die Nazis heute PalitĂŒcher tragen und zuweilen zusammen mit IslamistInnen gegen Israel aufmarschieren? Weil sie - na klar - antisemitisch sind und weil sie viel Bewunderung aufbringen fĂŒr ein „Volk“, dessen Mitglieder bis zur physischen Vernichtung kĂ€mpfen fĂŒr ihren „Boden“, den sie heilig nennen. Blut und Boden: Da sind die Nazis ein bisschen neidisch, dass sie das nicht haben, diesen mörderischen und mordenden Alltag.
    Das Palituch ist die Geschichte einer linksradikalen Verirrung oder eines Irrtums. Es ist Zeit, diesen Irrtum zu erkennen und in Zukunft einen Schal von Vatti genÀht zu tragen.
    Coole Kids tragen keine Pali-TĂŒcher.
  • PalitĂŒcher - bitte nicht mehr! « Modepilot sagt:

    [...] Inzwischen gibt es sie ja in so ziemlich allen möglichen Farben. Wie sie modisch zu bewerten sind, hatten wir schon mal diskutiert. Deswegen bleibt mir nur noch sagen: Bitte, bitte, bitte nicht mehr [...]
  • Voci sagt:

    @Andy

    >"Seit Ende des Zweiten Weltkriegs und der StaatsgrĂŒndung Israels

    > ist das Palituch Teil einer in der palÀstinensischen Bevölkerung aktuell

    > wieder erstarkenden kulturellen und politischen Bewegung, die

    > zwischen Mittelmeer und Jordan vor allem eines wollen:

    > keine JĂŒdinnen und Juden."

    Sie wollten und wollen keinen "Enteignenden". FĂŒr Geld krieg't man doch fast alles (vorurteilsfrei).


    >"...kĂ€mpfen fĂŒr ihren „Boden“, den sie heilig nennen. Blut und Boden..."

    Na, da gibt es doch noch mehr, die z.B. fĂŒr biblischen Boden töten wĂŒrden...


    Das Stichwort "Intifada" ist noch nicht gefallen, sonst findet das hier keine/r.

    Wir, als Deutsche ("nicht-mehr-Volk", exklusive dt. Juden), Nazi-Söhne, Nazi-Enkel etc., wie auch scheinbar alle anderen Nicht-Juden dieser Welt, sind nicht kritikwĂŒrdig, nicht auf der selben Stufe, nicht mit derselben schrecklichen Geschichte geschlagen, nicht ebenbĂŒrtig eben, nicht mit dem selben Gott und also nicht mit dem selben irdischen Völkerrecht. Jenes Tun unterliegt keiner uns zugĂ€nglichen Ratio, exklusiv. Ein Urteil obliegt derer Selbstgerechtigkeit.

    Veto-Rechte sind keine Generalerlaubnis fĂŒr alles, hört man nicht aus den USA. Die UNO archiviert EinsprĂŒche. Moralinstanz zweiter Klasse. Wer wedelt mit dem Hund? Lobbyarbeit weltweit.


    Weiterhin fehlt Stichwort "moralische Keule".
    Man könnte dort so schön in Frieden leben - nur wollen das beide Seiten wohl nicht: aus Sendungsbewußtsein?
    Ich hoffe, der Herr sucht nicht immerwÀhrend nach Pali-Feudel-Mustern in der Welt. Er könnte sein Wissen auch bei wikipedia.org hochoffiziell machen - und zwar exakt in dieser hier lesbaren Version.
    Schon wieder ein KleidungsstĂŒck nazifiziert, schaise. Die Model-eute sind auch vorurteilsgerecht voll unpolitisch ey und voll daneben manno^^
    ps: ja, ich bin auch Nazienkel.de. Ich habe meinen Opa nicht kennengelernt. Nun wirst du sagen, mein Geschreibsel sei erst recht ĂŒberflĂŒssig... Aber schaue erst auf Dich und erkenne den besseren Menschen.