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Lese-Tipp: 28 Kilo Klamotten-Konsum

parisoffice. 31. Mai 2011

Das ist die Menge, die wir Frauen im Durchschnitt pro Jahr an Klamotten verbrauchen. Ja, VERBRAUCHEN. Ihr habt richtig gelesen. Wir kaufen jedes Jahr rund 30 Kilo und wir schmeißen auch rund 30 Kilo jedes Jahr in den Müll. Das ist das Fazit der auf ökologische Themen spezialisierten Journalistin Lucy Siegle, die in ihrem Buch “To die for: is fashion wearing out the world?”. Lucy hat in ihrem Buch die ganze Mechanerie der Fast Fashion Industrie und wie sie unsere Konsumgewohnheiten verändert hat, mal aufgedröselt. Im The Guardian hat sie einen sehr langen, aber aufschlussreichen Artikel geschrieben, der ein bisschen schon einen Einblick gibt, was uns um Buch erwartet.  Die schockierenste Passage aus dem Artikel habe ich Euch kopiert.

Perhaps that mindset explains why a fashion industry commentator watched in horror as she saw one satisfied customer emerge from Primark’s flagship Oxford Circus store with six or seven brown paper bags full of clothes. It was raining heavily, and as the young woman proceeded down Oxford Street one of them broke around the handles and folded cotton flopped on to the pavement. Naturally the journalist expected the girl to bend down and collect the clothes, but no. She just walked on. Fashion was apparently so expendable it had turned into litter.

Lest das Ganze mal gut durch und dann müssen wir alle mal zu unserem Kleiderschrank gehen und nachdenken. Bei den meisten von uns sieht es so aus wie bei Lucy selbst. Alles voll und viel zu viel Unnützes. 22% des Inhalts unseres Schranks ziehen wir nie an.

Lucy beschreibt die Gründe folgendermaßen: Die Preise für Klamotten sind zwischen 2003 und 2007 um 10% gesunken. Wir kaufen mehr für weniger Geld. Kleidung hat kaum noch Wert. Durch schlaues Marketing à la Topshop und Zara sind wir auch auf der ständigen Jagd, keinen Trend zu verpassen. Die vertikalen Modeketten verführen uns raffiniert und wir gehen ins Netz.

Ich gehöre zwar keineswegs zu denen, die 28 Kilo kaufen und die wieder wegschmeißen. Dafür bin ich viel zu geizig und zu vernünftig erzogen worden. Aber auch bei mir würde es besser aussehen, wenn mein Schrank nur halb so voll wäre. Auch wenn sich dort vor allem uralte Klamotten tummeln, denn ich gehöre zu denen, die alles horten und es bei Gelegenheit wieder rausziehen. Beispiel: Mein Lieblingskleid gerade ist ein eigenes Vintage-Teil aus den 80ern, das ich 14 mal umgezogen habe und nun glücklich wieder überstreiche. Dennoch: Mainlands selbst inszenierte Anti-Shopping-Askese ist ein bisschen das Zeichen der Zeit. Wir alle sollten uns überlegen, wie man vernünftiger konsumieren kann.

Und wir alle könnten das gesparte Geld investieren in gute Gesichtspflege, Spa-Besuche, schöne Reisen. Was man beim vernünftigen Konsum sparen kann, rechnet uns Lucy am Ende des Artikels vor. Das ist ein bisschen wie beim Rauchen-Aufhören. Eine Freundin von mir schmiss jedes Mal, wenn sie kein Paket kaufte, 5 Euro in ein Sparbüchse. Am Ende des Versuchs war sie Nicht-Raucherin und konnte sich einen Flug nach Argentinien leisten. Überlegt Euch mal, was da zusammen kommt, wenn wir nicht jede Woche bei H&M, Topshop, Zara, Zalando, etc. shoppen. Das ist ne Weltreise drinnen.

Mich macht der Artikel auf alle Fälle sehr nachdenklich. Als junge Mutter kauft man zwar sehr wenig für sich und viel für das Kind. Für Babyoffice bekomme ich viel von einer Freundin aus Düsseldorf, aber ich kaufe auch viel bei H&M und Bout’chou, weil er eben viel braucht und alles ständig in der Wäsche ist. Dennoch auch hier muss ich noch mal in mich gehen und versuchen, das zu ändern. Auf alle Fälle sollten wir uns alle bemühen, besser und ökologischer zu konsumieren.

Fotos: Scan Artikel, parisoffice / Modepilot

 

Kommentare

  1. Super Artikel!
    Ich finde auch, etwas bewusster Einkaufen würde keinem Schaden, im Gegenteil. Lieber wenige teurere, besondere Teile und nicht den ganzen Trash, den man nie oder nur sehr wenig trägt.

  2. Hab mir den Artikel auch durchgelesen. Bin derselben Meinung wie bereits oben geschildert. Besser sein Geld sparen und qualitativ hochwertige Sachen kaufen als viele kleine Summen für schrottige Klamotten ausgeben. Dieselbe Devise gilt bei mir nicht nur was Mode angeht sondern auch bei Technik, Möbel etc. Dann hat man länger was davon und die Freude ist größer.

  3. Naja aber irgendwie finde ich es komisch. Der eine Konsumwahn wird nun durch andere Artikel befriedigt: Reisen oder Beautystuff. Okay Reisen bringt neue Erfahrungen. Das lohnt in der Tat. aber ich finde diese Konsumkontrolle trotzdem falsch. Man sollte sich ein bisschen gehen lassen und nicht immer alles optimieren wollen. Außer man hat echte Wünsche oder Ziele! Keine Askese und Fanatismus bitte :)

  4. Das Gehirn nie auszuschalten ist ne Kunst, die es auszuüben lohnt. Wer bewusst(er) einkauft, genießt es auch und hat letztlich mehr davon.

  5. Ich fühle mich irgendwie nicht angesprochen, da ich meine Klamotten nicht kiloweise aus den Läden raustrage. Sowieso ist das zitierte Beispiel nicht wirklich repräsentativ, glaube ich. Krasse Ausschläge hin zum Minuspol gibt es ja wohl bei jedem Hobby.

  6. Oh ja! Ich habe vor kurzem meinen Kleideschrank ausgemistet und Sachen bei ebay verkauft und war erschrocken, wie viel ich davon NIE anhatte oder höchstes 1-2 mal. Muss meine Kaufgewohnheiten auch dringend überdenken!

  7. Pingback: GfK-Studie: Die Deutschen sind in Kauflaune « Fashion Square Blog

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