Mr. Top-Deal

Sie sind ein Phänomen, diese Internetseiten, auf denen man landet, sucht man per Suchmaschine ein bestimmtes Produkt einer bestimmten Marke. Möchte man es dann kaufen, wird man zu einem Onlineshop wie Yoox oder Stylebop weitergeleitet. Diese reinen Shop-Verlinkungsseiten verkaufen gar nichts, sie verdienen am Vermitteln. Eine davon ist mybestbrands.de. Ich traf den Geschäftsführer: Moritz Seidel...

Moritz Seidel

Ich wollte von Moritz Seidel wissen, wie man auf die Idee kommt, etwas anzubieten, das man gar nicht besitzt...

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MS: Ich wollte unbedingt ein B2C Geschäft mit aufbauen, nachdem ich vorher ja nur B2B Geschäfte aufgebaut habe (Anm. d. Red.: Webfair, ein Unternehmen fürs Optimieren von Händlernetzwerken der Automobilindustrie, verkaufte er 2006 an ein US-Unternehmen).

Und Ecommerce ist ein spannendes Feld, das sich auch weiterhin extrem schnell entwickelt. Deswegen haben wir uns damals die ersten Shopping Clubs genau angesehen und festgestellt, dass langfristig Einkaufskompetenz und Kapital die kritischen Erfolgsfaktoren sind. Wir haben gelernt, dass Outlet-Centerbetreiber selbst nicht die Ware einkaufen, sondern einen Service für die Hersteller bzw. Shopbetreiber anbieten. In dieses Konzept hatten wir über unsere Kontakte sehr guten Einblick. So war die Idee zu mybestbrands geboren, einer Website, die alle Sonderangebote im Internet zwar listet, aber nicht selbst verkauft.

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Bei mybestbrands herrscht Schnäppchenmentalität. Ihr nennt es "Top-Deals" – geht es bei den Kunden ums Sparen oder eher um das Gefühl, einen cleveren Kauf getätigt zu haben?

MS: Meist geht es um Zweiteres. Unsere Kunden suchen Produkte von ihren Lieblingsmarken, die besonders sind und die sie immer schon haben wollten. Ersparnis ist dabei ein wichtiger Faktor, aber nicht der Einzige.

Versuchung: Hier, bei Modepilot, leitet der "Zum Shop"-Button leider nicht zum Schnäppchen weiter (Angebot auf mybestbrands.de)

Wie viele Kunden habt Ihr (bis vor Kurzem musste man sich noch registrieren, um überhaupt durch die Seite surfen zu können)?

MS: Wir haben heute ca. 1 Mio. Abonnenten. Und natürlich nutzen viele Menschen mybestbrands, die nicht registriert sind.

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Eure Kundendaten geben bei der Registrierung Auskunft über ihre Lieblingsmarken. Welche Marken sind am beliebtesten?

MS: Natürlich werden die großen Marken, die eine breite Zielgruppe ansprechen am meisten gewählt. Über alle Nutzer gesehen sind das z.B. Tommy Hilfiger, Nike, Adidas,  Calvin Klein etc.

Moritz Seidel heute Nachmittag in der Münchner Innenstadt

Wie wertvoll sind solche Daten, wie kann man sie einsetzen?

MS: An diesen Daten haben natürlich viele Interesse. Wir haben heute in den allermeisten Fällen einen grösseren Email-Verteiler für eine Marke, als der Markenhersteller es selbst hat. Wir verkaufen diese Daten nicht, aber Markenhersteller und Shops buchen Anzeigen in unseren regelmässigen Kundenemails.

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Ihr seid jetzt frei zugänglich (auch ohne Registrierung), die Optik verändert sich von Schlecker nach dm-Markt (cleaner, aufgeräumter). Was steht noch an?

MS: Wir wollen das Kauferlebnis auf mybestbrands kontinuierlich verbessern. Dazu werden wir in den nächsten Wochen ein neues Design und ein paar neue Funktionen launchen. Unsere Nutzer müssen spüren, dass wir die besten Deals im Netz listen.

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Anm. d. Red.: Moritz Seidel beschäftigt so genannte Redakteurinnen, die das Netz nach den besten Schnäppchen durchforsten.

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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