Das "Haul Vloggen"

Gestern Nacht habe ich auf Modebeitrag das erste Mal vom "Haul Vloggen" gelesen. Eine, die es ausübt, ist die 17-Jährige Blair Fowler. Sie erreicht in den USA den Status einer webbasierenden Oprah Winfrey für heranwachsende Bravo-Leser. Ihre Besucherzahlen liegen nach meiner Recherche auf anderen Blogs bei über 1 Millionen.

Nun aber fragt Ihr Euch sicherlich, wie genau lässt sich "Haul Vloggen" übersetzen. Mary erklärt es als das "Bloggen über Shoppingtrophäen in Videoformat". (Etwas, was wir hier sicherlich sehr gut könnten ;-) ) Nichts desto trotz fragt man sich, ob die Besucherzahlen nicht alle Alarmglocken leuten lassen sollten.

Ist das der nächste Trend?

httpv://www.youtube.com/watch?v=P8dKUy9i99o&feature

Ich denke "Ja". Allerdings sollte unterschieden werden zwischen dem Alter der Leser und dem Unterschied zwischen allgemeinen Fashion-Vloggen und Haul-Vloggen.

Was das Alter der Leser anbelangt, so glaube ich zum Beispiel, dass das Alter und die Reife der Leser von Modebeitrag weitaus höher liegt. Somit bin ich der Meinung, dass es sich beim Haul Vloggen um eine ganz andere Leserschaft handelt. Genauso wie es bei Stylesublime, Tooposhtopush, die Schönheiten&dasBiest oder Modepilot sein wird.

Für Leser, die maximal 16 Jahre alt sein werden, sind solche Webportale mit Sicherheit das, was Beverly Hills 90210 für uns damals war. Eine Welt, die ihnen erzählt, wie schön alles ist. Zur Freude einer kleinen, dicken Susie mit Zahnspange, lebend auf dem Land und gehasst von der Klasse. Mit Sicherheit sind es auch solche Leser, die dann traurigerweise vor dem Bildschirm hocken und bei Karamelleis mit Sahne die Schönheit der Vloggerin begutachten und sich in eine pinke, beyoncé-duftende Li-La-Glamourwelt ziehen lassen. Blair Fowler wird damit zum herbeigewünschten Spiegelbild ikonisiert, dessen eigentliche Realisierung in Sport, gesunder Ernährung und fleißigem Lernen finden sollte.

Was das Vloggen im Allgemeinen anbelangt, so finde ich es gar nicht sonderlich tragisch. Außer das vermutlich die Sprachentwicklung der Zuhörer bei täglicher Auseinandersetzung mit den Videobeiträgen sinkt. Dennoch lassen sich auch sinnvolle Vlog-Beiträge gestalten, wie beispielsweise Ausstellungen, Atelierbesuche und Kollektionen (etc.)

Eine weitere Frage wird wohl sein, wie sich das Haul Vloggen auf eine Gesellschaft Heranwachsender auswirkt. Gerade erst überlegten Politiker Uniformen an Schulen einzuführen, um gesellschaftliche Differenzen in der Kleidung auszumerzen, da taucht nun der modestilisierte Konkurrenzkampf von Mädchen und Jungs auf, die sich gegenseitig erzählen, was schöner, besser und teurer ist.

Die deutsche Wirtschaft hingegen wird es freuen, vor allem zu Zeiten, in denen uns ein Vulkan ein Strich durch die Rechnung macht und Menschen bei länger anhaltenden Turbulenzen darauf angewiesen sein werden, auf deutsche Produkte zurückzugreifen, um es hier mal ein wenig dramatisch auszudrücken.

Interessant ist allerdings, dass wir damit eine schlechte Prognose in der Entwicklung des Bloggens sehen. Denn wenn wir uns zurück erinnern, als das Modebloggen vor über einem Jahr seinen potentiellen Höhepunkt gefunden hatte, so wurde sich seitens einiger Printredaktionen über den neuen Trend im Web 2.0 pikiert. Heute sind wir es, die dem Haul Vloggen nichts abgewinnen können.

Dabei handelt es sich einfach nur um eine weitere Sparte, die entstanden ist. Eine weiterer Kanal, um die ersten Schritte zur Produktwelt zu finden. Wir haben es damals auf dem Schulhof getan und fanden erst später den -nun muss ich es wohl sagen- wahrhaftigen Zugang zur Mode. Demnach sollte man also den jungen Teenies Zeit lassen. Sollen sie Spaß haben. Sollen sie sich davon erzählen. Es liegt an ihnen, wie sie es gestalten und es liegt an uns, inwiefern wir sie einbinden und in eine für die Modebranche "richtige" Richtung lenken.

Aufhalten können wir es nach meiner Ansicht sowieso nicht. Denn jeder folgt seinem Verlangen. Und das haben bei dem oberen Video bisher über 500.000 Besucher.

Video: OtherJuicyStar07 / YouTube.com

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

Kommentare