“Um sechs Uhr morgens brachten sich die Ersten in Stellung. Sie wollten ganz vorne dabei sein, wenn sich fünf Stunden später, an diesem historischen 11. März 2010, die Tore zum Tempel des schwedischen Billig-Chics öffnen würden, die Tore zum ersten H&M Flagship Store Israels. 2.000 Quadratmeter Europa, mitten in Tel Aviv, im dritten Stock des Azrieli Centers.
Es ging nicht gerade vornehm zu an diesem 11. März im Azrieli Center. Die mitteleuropäischen Umgangsformen, die in Israel ohnehin eine prekäre Existenz fristen, wurden endgültig verabschiedet. Vor den Kleiderständern wurde geschubst, gestoßen, geboxt. An der Hauptkasse gab es mehrmals Tumult, es gab Wortgefechte und Handgemenge, Ohnmachten und Anfälle von Schwäche. Die israelischen Reporter beschrieben die H&M-Eröffnung als ein kriegerisches Ereignis, sie schrieben und sprachen von „Bombardement“, „Schlachtfeld“ und „Front“. Sogar der Karl-Johan Persson, der CEO von H&M, der sich eigentlich hätten freuen müssen über die Kundenmassen am Eröffnungstag, war geschockt von dem Bild, das sich ihm bot….”
Den ganzen Artikel gibt es unter diesem Link.
Und diese Bilder sprechen für sich: Schlangen bis zum Umfallen und vor allem unerfahrene Einlasser. In Paris stehen bei H&M Sonderaktionen bis zu 6 Türsteher (alles solche 2-Meter-Männer mit geschätzter 150 Kilo Muskelmasse) vor der Tür und lassen nur abgezählt die Leute rein.
Ich frage mich auch, was die Dame in Uniform ganz oben im Bild für eine Funktion hat. Vielleicht ist die ausgebildet für den Einsatz gegen Bombenlegern. Mit so einer möchte man sich bei H&M nicht um den letzten Rock Größe 38 streiten, oder? Die kommt auch noch mal im Video vor. Eine Fashion-Militantin! Oh Schreck!
Der Ansturm war so groß, dass sogar das Fernsehen berichtete. Siehe Video. Und nun schaut Euch mal die Dame mit den Babys im Film an. Die spinnt doch. Ich gehe doch nicht mit Kleinkindern zu so einer Massenveranstaltung?!!! Seid Babyoffice auf der Welt ist, war ich Samstags sogar nicht mal mehr in den Galeries Lafayette. Ich gehe nur noch ins Le Bon Marche, weil dort weniger los ist.
Fotos: (Photo by David Silverman/Getty Images), Content © 2010 Getty Images All rights reserved.
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crass! Ich hätte nicht gedacht, dass es noch keine H&M Filiale in Israel gibt. Dann doch lieber wieder ins Lafayette wenn ich das nächste Mal in Paris bin.
Die Bezeichnung “Schlachtfeld” im Titel halte ich in Verbindung mit einem Staat, der seit Jahrzehnten unter terroristischen Selbstmordattentaten auf die Zivilbevölkerung leidet, für recht geschmacklos. Sie soll zwar angeblich von israelischen Reportern stammen, was mir aber immer noch nicht als hinreichender Grund erscheint, diese Formulierung hier, wenn auch in Anführungszeichen, zu übernehmen.
@Zebulon: Wer in diesem Konflikt Täter und wer Opfer ist, ist in meinen Augen schwer zu sagen. Alle meine Bekannten, die dort leben oder lebten, wohnten eher auf der Palästinenser-Seite. Aber wie gesagt, um dazu eine Meinung einzunehmen, denke ich sollte man dort leben. Tel Aviv ist heute einer coolsten Städte der Region und dass dort H&M aufmacht, ist daher nur verständlich. Dass es dabei so solchen Szenen kommt, uff, das ist schon hart. Und wenn die dortigen Reporter das so formulieren, dann haben sie wohl ihren Grund dazu. Ich bin auf alle Fälle dafür, endlich die Wortwahl in Zusammenhang mit Israel zu enttabuisieren. Das tun die Journalisten vor Ort und deswegen denke ich auch, dass man durchaus in eine Überschrift nehmen kann.
Da wäre die Methode mit den farbigen Armbändern besser gewesen, so wie sie es beim Verkauf der Jimmy-Choo-Kollektion in Deutschland gemacht haben.
> Ich frage mich auch, was die Dame in Uniform ganz oben im Bild für eine Funktion hat.
ich vermute, das ist eine ganz normale kundin, die in uniform ist, weil sie ihren militärdienst ableistet. am anfang des videos sieht man ebenfalls viele uniformierte damen in der schlange stehen.
@heiko hebig Gute Idee!
Israelische Soldatinnen sind – was die Mode betrifft – gerade auf der sicheren Seite. Zwei Jahre muss man dort als Frau Wehrdienst leisten – da gönnt man es ihnen, dass Uniformjacken modern sind und wahrscheinlich zuhauf auch bei H & M gekauft werden…
@heiko:
Ja, ich denke auch, dass das einfach eine Soldatin war, die bei H&M einkaufen gehen wollte. Da man in Israel umsonst mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln fahren darf, wenn man in der Armee ist, aber dazu die Uniform tragen muss, ist das sehr wahrscheinlich.
Es koennte aber auch sein, dass sie neben Sicherheitsleuten auch noch Leute von der Armee hatten, die einen Anschlag verhindern sollten. Allein wenn ich in Beer Sheva ins Einkaufszentrum gehe, wird in meine Tasche gekuckt und ich werde kurz gescannt. Wenn dann ein H&M in Tel Aviv aufmacht, also das Ereignis des Jahres so weit, ist die Angst vor einem Anschlag entsprechend gross.
Ich finde, die Aussage “da gönnt man es ihnen, dass Uniformjacken modern sind”, aber ziemlich geschmacklos. Die Menschen werden hier von klein auf darauf getrimmt, dass sie zur Armee gehen muessen, um ihr Land zu verteidigen und wenn sie verweigern, gelten sie als weniger wert. Das ist eine ernste Sache, die auch viele junge Menschenleben kostet, die meisten Maedchen, die ich kenne, hassen die Uniform und wuerden niemals froh darueber sein, dass sie gerade “in” sind.
Sie freuen sich eher, wenn die 2 Jahre vorbei sind und sie sie loswerden koennen.
@Celia da finde ich meine Äußerung “auf der sicheren Seite” aber geschmackloser!