Vorsicht Ramsch!

Schlüsselanhänger aus 100 Prozent Polyurethan, ca. 5 Dollar

"So langsam verstehe ich das Prinzip Luxusmode," sagt mein Freund als wir den Fanshop von Marc Jacobs auf der Bleecker Street (New York) verlassen. Ja, so funktioniert es wohl: sich einen Namen machen und abschöpfen...

385 Bleecker Street, New York

Das Accessoire-Geschäft der günstigeren "Marc by Marc Jacobs"-Linie gleicht einem Ramschladen...

...nur, dass die fiesen Fake-artigen Produkte nicht für einen Euro (was sie maximal wert sind) verkauft werden, sondern richtig Marge liefern. Sie liegen zusammengequetscht auf Drehständern und geknüllt, in Folie verpackt, in Regalen. Für viele Marc-Jacobs-Fans scheint das dennoch ein willkommenes Angebot zu sein. Die Schlange vorm Geschäft ist lang, die Tüten, die stolz herausgetragen werden, sind groß. Endlich mal etwas von Marc Jacobs besitzen oder verschenken können - ab 1 Euro (Kugelschreiber - der ist nett) ist man dabei! Da spielt es dann auch keine Rolle, dass die meisten Sachen als neue Accessoire-Linie des Textil-Discounters Kik durchgehen könnten und nichts, aber auch rein gar nicht mit der Genialität des Modeschöpfers Marc Jacobs zu tun haben...

Handtasche aus 100 Prozent Polyurethan, ca. 45 Dollar

Ich habe versucht, die ausartende Günstig-Linie als cool zu befinden - von wegen Demokratisierung der Mode und so. Es gelingt mir nicht! Das hat nichts mit Designermode für alle zu tun. Das ist Nepp. Möchte Marc Jacobs vielleicht Grenzen ausreizen? Möchte er sich ganz modern geben, indem er der Wegwerf-Generation gibt, wonach sie verlangt? Wahrscheinlich möchte er nur die Finanzierung seiner wahren Leidenschaft, nämlich großartige Mode entwerfen und neue Trends lostreten, sicher stellen. Wenn dem so ist, dann kauft doch:

"Daisy Ring" aus versilbertem Messing, ca. 14 Dollar

Geldbeutel aus 100 Prozent PVC mit Lederfutter, ca. 14 Dollar

(Und ich muss Euch jetzt nicht sagen, dass ich bei diesen Initialen kaum verzichten kann)

Fotos: screenshots von marcjacobs.com

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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