Das Überhemd
Auf der Suche nach dem perfekten T-Shirt, Folge 5: Drogerie Müller
Manchmal ahnt man ja schon beim Kauf, dass keine Freundschaft wachsen wird zwischen Käufer und Konsumprodukt.
Bei diesem Hemd war das wohl so. Ich weiß nicht mehr, weshalb ich es erworben habe, ich weiß nur, dass es im Müller Drogeriemarkt war, soviel verrät noch das Etikett. Aber warum bitte in Größe M? Vermutlich wartete ich an der Kasse mit einer neuen Rasierschaumdose in der Hand und bemerkte: Ach, Müller verkauft auch T-Shirts! Im preiswerten Doppelpack für acht Euro neunzig! Und natürlich habe ich mir gedacht: Na, das werden die üblichen weit geschnittenen sein, da nimmst du sie mal lieber eine Nummer kleiner. Welch dummer Gedanke! Richtig wäre gewesen: Na, das werden die üblichen weit geschnittenen sein, die lässt du mal schön liegen. Wenn ich heute dieses Hemd überstreife, stelle ich fest: In S wäre es auch noch zu viel gewesen. Möglicherweise hätte XS gepasst, allerdings um den dann doch etwas zu hohen Preis der Bauchfreiheit. Ich hatte selten etwas derart Unproportioniertes am Leib: Die Ärmel lächerlich lang und weit, die Schultern falsch platziert, der Kragen schief und viel zu nah am Hals. Der untere Bund öffnet sich noch weiter und produziert optisch beinahe eine A-Linie. Trotz zehnminütiger Suche ist kein Detail zu finden, bei dem etwas richtig gemacht wurde. Wäre es hinten offen, könnte es sich um ein OP-Hemd handeln. In diesem Hemd sieht man aus wie weggelaufen aus dem Irrenhaus. Normalerweise spende ich Abgetragenes der Heilsarmee; dieses Teil hier nicht. Ich möchte nicht, dass ein hilfsbedürftiger Herr damit durch die Stadt spazieren muss.
Foto: Monika Höfler; Styling: Sibylle Oberschelp

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